Demokratie, Pluralität, Spaltung.

Zur Vielfältigkeit und Streikkultur in der Linken

Eine Diskussion mit den Falken Kassel

Witze über die Sektierertum in der Linken sind legendär. Die Passagen im Leben des Brian stehen stellvertretend für ein kaum zu überblickendes Feld an Auseinandersetzungen und Streiterien.

Aufgespalten in Sub-Szenen und identitätspolitische Zirkel scheint sie kaum mehr in der Lage, gesellschaftspolitische Relevanz zu entfalten. Auf der anderen Seite jedoch ist die linke Streitkultur ein wesentliches anti-autoritäres Element und ein Zeichen für eigenständiges Denken, dass sich vorgegebenen Denk- und Handlungsmustern nicht umstandslos unterwerfen will.
Wir wollen in diesem Workshop die Zusammenhänge und Hintergründe dieser Entwicklung ebenso wie praktische Alternativen diskutieren.

Samstag, 16 Uhr, Haus der Jugend (Mühlengasse 1) in Kassel.
Ein Workshop mit der SJD – Die Falken.

Same, same but different – Rassismus und Diskriminierung

Immer öfter verwenden Jugendliche Schimpfwörter wie „Schwuler“  oder der „Jude“. Gesellschaftliche Gewöhnungsprozesse führen dazu, dass Diskriminierung „normal“ zu sein scheint. Wir stellen uns die Frage, welche Bedeutung alltägliche Diskriminierungserfahrungen für unser Zusammenleben haben. Wie erkennen wir Diskriminierung? Wie können sich Betroffene vor Diskriminierung schützen? Wie reagieren wir auf diskriminierende Handlungen? Solche Fragen wollen wir im Workshop gemeinsam bearbeiten.

Referent*innen: Ruben Fernandez, Florian Stenzel (Bildungsstätte Anne Frank)

Was ist Finanzmarktkapitalismus ?

Dass die Finanzmärkte im heutigen globalisierten Kapitalismus eine weit wichtigere Rolle spielen als in früheren Phasen kapitalistischer Entwicklung, ist kein Geheimnis. Worin ihre Bedeutung genau besteht und wie sich die Aufblähung des Finanzüberbaus in den ökonomisch Krisenprozess einfügt, ist freilich weniger klar. Weit verbreitet ist die Vorstellung, eine wildgewordene Spekulation und eine ausufernde Verschuldung hätten die Krise verursacht, in der die Weltwirtschaft seit Jahren steckt und die Lösung bestünde in einer Rückkehr zu einem „Kapitalismus der ehrlichen Arbeit“. Diese Sicht stellt den realen Zusammenhang auf den Kopf. Das explosionsartige Anschwellen von öffentlichen und privaten Schulden, die Entfesselung der Dynamik fiktiver Kapitalschöpfung war bereits eine Antwort auf eine tiefer gehende Krise der Kapitalakkumulation, die bis in die 1970er Jahre zurückreicht. Der Kapitalismus kann auf dem heutigen Produktivtätsniveau nur weiterakkumulieren, indem er in immer größeren Umfang auf künftigen kapitalistischen Reichtum vorgreift. Die Funktionsweise, die Entstehung, die Entwicklung und die Grenzen des finanzmarktdominierten Kapitalismus sind Gegenstand des Workshops.

Referent: Ernst Lohoff (Gruppe Krisis)

Unsichtbare Barrieren“ – Über die Schwierigkeiten und Möglichkeiten des Bildungsaufstiegs

Dieser Workshop thematisiert die „unsichtbaren Barrieren“ des Schul- und Bildungssystems. Es soll geklärt werden, was mit „Ausgrenzen“ gemeint ist. Wo und wie wird ausgegrenzt? Wird gewollt oder unbewußt ausgegrenzt? Ausgrenzung kann dabei durch Personen bzw. deren Verhalten stattfinden. Aber auch Strukturen wie etwa Gesetze und Regelungen können ausgrenzend wirken. Solche „strukturellen Barrieren“ können z.B. sein, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft bestimmte Fähigkeiten zugesprochen werden. Beispiel: Der/die kommt aus einer Arbeiterfamilie, der/die ist bestimmt „nur“ für die Hauptschule geeignet. Oder das Personen, weil sie einer bestimmten „Sozialen Schicht“ zugehören, etwa von „Karrierenetzwerken“
ausgeschlossen sind. Dadurch entsteht und verstärkt sich soziale Ungleichheit. Bildungserfolg entscheidet sich bereits im Kindesalter. Deshalb wollen wir Schwierigkeiten und Möglichkeiten eines Bildungsaufstieges aufzeigen.

Es wird dazu eingeladen, sich mit eigenen Erfahrungen einzubringen. Ein besonderes sozialwissenschaftliches Vorwissen wird nicht vorausgesetzt. Am Ende sammeln wir Ideen, um konkrete Schritte zu planen. Einerseits im Umgang, andererseits im Abbau der „unsichtbaren Barrieren“.

Referent*innen: Maurice Malten, Ömer Yamur (Uni Kassel)

Der Einkaufszettel als Wahlschein? Grenzen der Konsumkritik

Referent*innen: Naima und Karl von den Falken Göttingen.

Tritt heutzutage der seltene Fall ein, dass tatsächlich einmal öffentlich über Kapitalismus gesprochen wird, dann ist der Begriff des „Konsums“ meistens nicht weit. Tatsächlich ist für viele Menschen die heutige Gesellschaft kein Kapitalismus, sondern eine „Konsumgesellschaft“. Aber stimmt das überhaupt? Der Einkaufszettel als Wahlschein? Grenzen der Konsumkritik weiterlesen

Gadje-Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze – Eine Einführung

Referent:  Nino Novakovic , Roma Jugend Northeim

Wir werden in diesem Workshop zunächst   einen Doku-Film über Roma und Sinti mit dem Titel „Ich bin nicht unberührbar“ sehen.  Unser Referent Nino Novakovic selbst spielt in dem Film mit. Danach wird es einen offenenen Austausch geben, bei welchen Nino auf unsere Fragen, Anregungen, Erfahrungen etc. pp. rund um das Thema Roma und Sinti eingehen wird.

Utopie und Demokratie

Referent: Simon Daemgen (Bildungsreferent Falken Hessen Süd)

Ist die Demokratie eine bereits realisierte oder eine noch unerreichte Utopie? Wie haben sich die Vorstellungen von Demokratie im Verlauf der abendländischen Geschichte verändert und was war oder ist an der Idee der Demokratie überhaupt utopisch? Wir wollen uns in diesem Workshop zunächst kurz mit der (abendländischen) Ideengeschichte der Demokratie beschäftigen und dort der Utopie nachspüren. In Schlaglichtern bewegen wir uns dabei durch die Geschichte bis zur heutigen Diskussion über Utopie und Demokratie um bei der Aktualität von Begriffen wie “Postdemokratie” und “radikaler Demokratie” anzukommen. In der anschließenden Diskussion soll gemeinsam über das utopische Potential der Idee von Demokratie und die Möglichkeiten der Transformation gesprochen werden.

Von der Konstruktion des „homophoben Moslems“ zum Aufstieg der homophoben AfD

Freitag, 28. Oktober, 19 Uhr
Referent: Georg Klauda

Seit dem 11. September 2001 war die Unterstellung einer angeblich „besonderen“ Homophobie eine der vielen Taktiken, hier lebende Muslime fremd zu machen. Waren die sozialwissenschaftlichen Belege für diese Unterstellung schon äußerst mager, so gilt dies umso mehr für die Kulturgeschichte des Islams. Im Unterschied zu ihrer Marginalisierung in der lyrischen Tradition Europas war gleichgeschlechtliche Liebe über Jahrhunderte einer der zentralen Topoi der persischen und arabischen Literatur, auch und gerade in der religiösen Liebesdichtung. Mag sich daran in den letzten hundert Jahren noch so viel ins Gegenteil verkehrt haben, stimmt die Wirklichkeit in vielen Ländern der sog. islamischen Welt doch bis heute nicht mit jener vereindeutigenden Konstruktion überein, die sie als bloßen Hort der Unterdrückung kennt.

Ironischerweise waren es daher auch nicht die »Zuwanderer«, sondern die Islamfeinde selbst, welche mit ihrem Kulturkampf gegen alles Fremde einen kulturellen Umschwung auslösten, der sich bald auch gegen die Emanzipation von Lesben, Schwulen und Transgenders richtete. So hat sich seit dem Aufstieg der AfD als führender rechtspopulistischer Kraft der Anteil der Deutschen, die es als „ekelhaft“ empfinden, wenn sich zwei „Homosexuelle“ küssen, innerhalb von nur zwei Jahren auf 40 Prozent verdoppelt. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf den dünnen Firnis der Liberalität, der in den letzten Jahren schon etwas voreilig zum „Wesen“ der westlichen Kultur stilisiert wurde.

Georg Klauda ist Soziologe und Autor des Buchs „Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“ (Hamburg: Männerschwarm-Verlag, 2008).

Demokratie oder Volksherrschaft?

Referent: Lothar Galow-Bergemann (Emanzipation und Frieden)

Versteht man „Demokratie“ lediglich im Wortsinne, nämlich als „die Herrschaft des Volkes“, so muss einem davor grausen. Schließlich hätte dann der Nationalsozialismus, der das Fühlen, Denken und Wollen einer großen Mehrheit der Deutschen repräsentierte, das Prädikat demokratisch verdient. Der leidlich funktionierende demokratische Staat aber zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er unveräußerliche Rechte von Einzelnen und Minderheiten garantiert.

Gegen die Krise der Demokratie wird mehr „direkte Demokratie“ gefordert. Doch ob „Ausländer“ rausgeworfen, Minarettbauten verboten oder Schulreformen verhindert werden sollen – bessere Verhältnisse schafft die „Stimme des Volkes“ kaum. Solange die selbstgerechte Gemeinschaft der „ehrlich Arbeitenden und Betrogenen“ ihr Mütchen an vermeintlich „Faulen“ oder „Gierigen“ kühlen mag und Ressentiment landauf landab mit Kritik verwechselt wird, ist „dem Volk“ grundsätzlich zu misstrauen. Was geht in Menschen vor, die zwar gegen einen Bahnhofsneubau Sturm laufen, nicht aber gegen die Rente mit 67 – obwohl sie unter dieser vermutlich wesentlich mehr zu leiden haben werden als unter jenem? Und ist es ein Zufall, dass einem die Forderung nach Volksabstimmungen umso häufiger begegnet, je weiter man sich im politischen Spektrum nach rechts bewegt?

Wann, wenn nicht wir

 

Wie Produktion (und Reproduktion) anders organisiert werden können

Der Kapitalismus sei bald am Ende, so der Zukunftsforscher und Ökonom Jeremy Rifkin: Er verwandele sich in eine ‚Null-Grenzkosten-Gesellschaft‘. Diese These teilt u.a. der britische Wirtschaftsspezialist Paul Mason; er erregte in den letzten Monaten Aufsehen mit seinem Buch ‚Postkapitalismus‘. Beiden positiven Zukunftsvisionen ist gemein, dass sie auf dem Konzept der ‚Commons‘ beruhen – einem Wirtschaften mit Besitz statt Eigentum und freiwilligem Beitragen statt Kaufen oder Tauschen. Friederike Habermann stellt in ihrem Buch ‚Ecommony‘ (2016) sowie hier im Workshop das Potenzial dieser hinter Commons stehenden Prinzipien dar, und betont die Notwendigkeit, eine solche Zukunft politisch zu gestalten. Jetzt. Von uns.